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Japanische Delegation besucht Selmo Technology und Raitec Automation
DI DI(FH) Markus Gruber
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May 20, 2026 1:22:56 PM
Selmo und Raitec Automation begrüßten kürzlich eine japanische Delegation im Raitec-Büro in München. Im Fokus des Besuchs standen praktische Einblicke in aktuelle Ansätze der industriellen Automatisierung sowie der Austausch über den Umgang mit komplexen Systemen.
Im Mittelpunkt der Gespräche stand eine Frage, die in der Industrie zunehmend an Bedeutung gewinnt: Wie kann Maschinenverhalten so definiert werden, dass Systeme nicht nur funktionieren, sondern auch transparent und skalierbar bleiben?
Der Besuch begann mit einer kurzen Vorstellungsrunde im Raitec-Büro. Anschließend folgte eine Live-Demonstration einer Testzelle, bei der die Teilnehmer beobachten konnten, wie strukturiertes Maschinenverhalten in einer realen industriellen Umgebung umgesetzt wird. Selbst in komplexeren Szenarien blieb das System nachvollziehbar und zeigte, wie sich Klarheit und Flexibilität in der Praxis verbinden lassen.
"Ein zentrales Highlight des Besuchs war die Live-Demonstration unserer Testzelle direkt vor Ort. Die Gäste konnten die Leistungsfähigkeit und Flexibilität unserer Lösungen in einer praxisnahen Umgebung erleben." — Philipp Lorenz, Roboterprogrammierung bei Raitec Automation
Zusätzlich wurde der digitale Zwilling der Testzelle vorgestellt. Durch die Simulation von Prozessen und Systemverhalten vor der Umsetzung ermöglicht der digitale Zwilling eine frühzeitige Validierung und unterstützt datenbasierte Entscheidungen. In Kombination mit strukturierter Automatisierung entsteht so eine besser vorhersagbare und kontrollierbare Grundlage für industrielle Systeme.

Während des Besuchs wurde der Delegation auch der Ansatz von Selmo zur strukturierten Automatisierung vorgestellt. Anstatt sich auf Logik zu verlassen, die im Code verborgen ist oder an individuelles Expertenwissen gebunden bleibt, liegt der Fokus auf der klaren Definition des Maschinenverhaltens vor der Implementierung. Dieses Prinzip steht in engem Zusammenhang mit WhiteBox Engineering, bei dem Systemverhalten formal beschrieben und dadurch verständlich, testbar und reproduzierbar wird.
Im Verlauf des Austauschs war der Übergang von klassischen BlackBox-Systemen zu transparenteren WhiteBox-Architekturen ein wiederkehrendes Thema. In vielen industriellen Umgebungen bleibt Systemlogik weiterhin schwer nachvollziehbar und wird oft erst im Betrieb sichtbar. Die vorgelagerte Definition von Verhalten schafft ein gemeinsames Verständnis und reduziert Unsicherheit bei Änderungen oder Skalierung von Systemen.
„Das Ziel ist nicht, Maschinen zum Laufen zu bringen. Das Ziel ist, ihr Verhalten vor der Implementierung zu definieren. Erst dadurch wird Automatisierung verständlich, testbar und skalierbar.“ — Markus Gruber, CEO Selmo
Der Besuch bot zudem Raum für vertiefende technische Gespräche, in denen spezifische Themen detaillierter diskutiert werden konnten. Insgesamt spiegelt der Besuch eine breitere Entwicklung in der industriellen Automatisierung wider. Der Fokus verschiebt sich von Systemen, die lediglich funktionieren, hin zu Systemen, deren Verhalten klar definiert und nachvollziehbar ist. Strukturiertes Maschinenverhalten wird dabei zu einem zentralen Element dieses Wandels – insbesondere im Kontext von Industrie 4.0.
FAQ — Strukturierte Automatisierung, Digitaler Zwilling und Maschinenverhalten
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Was ist WhiteBox Engineering?
WhiteBox Engineering ist ein Ansatz, bei dem Maschinenverhalten formal definiert wird, bevor Code geschrieben wird, und zur zentralen Referenz des gesamten Systems wird.
Anstatt sich auf Code als „Source of Truth“ zu verlassen, basieren WhiteBox-Systeme auf einem strukturierten Modell, das definiert:
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welches Verhalten erwartet wird
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welche Zustände zulässig sind
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wie Übergänge erfolgen
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und wie Abweichungen erkannt werden
Wie im Architekturmodell dargestellt, wird Verhalten zuerst beschrieben und anschließend technisch umgesetzt und gemessen. Das bedeutet: Code folgt dem Verhalten – nicht umgekehrt.
Im Gegensatz dazu verankern klassische BlackBox-Systeme Logik direkt im Code, wodurch Verhalten schwer verständlich, verifizierbar oder skalierbar wird. WhiteBox Engineering macht Systeme transparent, testbar und über Teams und Projekte hinweg vergleichbar.
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Was ist der Unterschied zwischen BlackBox- und WhiteBox-Systemen?
In BlackBox-Systemen ist Logik im Code verborgen und oft erst im Betrieb nachvollziehbar. In WhiteBox-Systemen wird Verhalten im Voraus explizit definiert, wodurch Systeme transparent, messbar und einfacher beherrschbar werden.
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Was ist strukturierte Automatisierung?
Strukturierte Automatisierung ist ein Ansatz, bei dem Maschinenverhalten und Systemlogik vor der Implementierung klar definiert werden. Dadurch entstehen Transparenz sowie Systeme, die sich einfacher skalieren und warten lassen.
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Was ist Maschinenverhalten in der industriellen Automatisierung?
Maschinenverhalten beschreibt, wie ein System reagiert, Zustände verändert und Aktionen ausführt. Wird es explizit definiert, können Ingenieure Systeme besser verstehen und kontrollieren.
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Wie unterstützt ein digitaler Zwilling die industrielle Automatisierung?
Ein digitaler Zwilling ist eine virtuelle Abbildung eines physischen Systems. Er ermöglicht Simulation, Validierung und Optimierung vor der realen Umsetzung.
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Warum ist strukturiertes Maschinenverhalten wichtig?
Es reduziert Komplexität, verbessert das Systemverständnis und ermöglicht die Skalierung von Automatisierungslösungen über Projekte und Teams hinweg.