Japanische Delegation besucht Selmo Technology und Raitec Automation
Selmo und Raitec Automation begrüßten kürzlich eine japanische Delegation im Raitec-Büro in München. Im Fokus des Besuchs standen praktische...
3 Min. Lesezeit
DI DI(FH) Markus Gruber
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Jul 28, 2026 1:07:25 PM
Am 20. Januar 2027 wird die neue EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 verbindlich. Während sich viele Unternehmen auf CE-Kennzeichnung und neue Sicherheitsanforderungen konzentrieren, bleibt eine entscheidende Frage oft unbeantwortet: Wie gut kennen Sie das Verhalten Ihrer Bestandsmaschinen?
Viele Produktionsanlagen laufen seit Jahren zuverlässig – häufig mit älteren Steuerungen wie TwinCAT 2, Siemens S5 oder S7. Doch über die Jahre wurden Funktionen erweitert, Sonderlösungen ergänzt und Dokumentationen nur teilweise aktualisiert. Das Ergebnis: Die Maschine funktioniert, aber das Wissen über ihre tatsächliche Prozesslogik geht verloren.
Genau hier können Risiken für Sicherheit und Dokumentation entstehen. Die neue Maschinenverordnung erhöht insbesondere bei Software, digitaler Dokumentation und der Bewertung wesentlicher Änderungen die Anforderungen. Moderne Hardware allein genügt dafür aus unserer Sicht nicht – wichtig ist zusätzlich das Verständnis des Maschinenverhaltens.
Bei Retrofit-Projekten steht deshalb nicht mehr nur der SPS-Code im Fokus. Viel wichtiger ist die technische Realität der Maschine: Welche Zustände existieren? Welche Sicherheitsfunktionen greifen? Welche Wechselwirkungen bestimmen den Prozess?
Mit der PTF-Analyse (Process, Technology & Function) verfolgt Selmo einen anderen Ansatz. Statt bestehenden Code zu migrieren, wird das reale Maschinenverhalten analysiert und als formales Prozessmodell dokumentiert. Dadurch entstehen Transparenz, eine belastbare Grundlage für Modernisierung sowie eine deutlich bessere Dokumentation über den gesamten Lebenszyklus.
Wenn Maschinenwissen zum Unternehmensrisiko wird
Ein mittelständischer Maschinenbauer plante die Modernisierung einer automatischen Plattenschneideanlage. Die Maschine produzierte seit Jahren zuverlässig, doch niemand konnte das vollständige Maschinenverhalten mehr nachvollziehen. Kritisches Prozesswissen war über SPS-Code, Dokumentationen und die Erfahrung einzelner Mitarbeiter verteilt.
Anstatt die bestehende Steuerung lediglich zu migrieren, wurde zunächst die technische Realität der Anlage modelliert. Dadurch konnten bislang unbekannte Prozesszusammenhänge und versteckte Fehler identifiziert werden, bevor sie zu Produktions- oder Modernisierungsrisiken wurden. Erst auf dieser Grundlage erfolgte das Retrofit.
In diesem Projekt entstanden dadurch eine belastbare Entscheidungsgrundlage, ein geringeres Projektrisiko und weniger Abhängigkeit von implizitem Expertenwissen. Das Retrofit wurde damit nicht nur zu einer technischen Modernisierung, sondern zu einer strategischen Investition in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Die Maschinenverordnung ist deshalb weit mehr als eine gesetzliche Vorgabe. Sie zeigt: Wer seine Maschinen langfristig sicher betreiben will, sollte ihr tatsächliches Verhalten kennen. Wer heute die technische Realität seiner Anlagen dokumentiert, schafft die Grundlage für sichere Retrofit-Projekte, bessere Digitalisierung und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
Ab dem 20. Januar 2027 gilt die EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 verbindlich. Sie ersetzt die bisherige Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und erweitert die Anforderungen unter anderem in den Bereichen Software, Cybersecurity, digitale Dokumentation und sicherheitsrelevante Maschinenfunktionen.
Bestandsmaschinen müssen nicht automatisch ersetzt oder neu zertifiziert werden. Relevant wird die Maschinenverordnung insbesondere dann, wenn eine Maschine wesentlich verändert, erweitert oder sicherheitsrelevant modernisiert wird. In diesem Fall sollte geprüft werden, ob eine neue Risikobeurteilung und Konformitätsbewertung erforderlich ist.
Von einer wesentlichen Veränderung kann gesprochen werden, wenn Umbauten, neue Funktionen oder Softwareänderungen neue Gefährdungen verursachen oder bestehende Risiken deutlich erhöhen. Ob eine wesentliche Veränderung vorliegt, muss im Einzelfall technisch und rechtlich bewertet werden.
Die Maschinenverordnung berücksichtigt Software ausdrücklich als sicherheitsrelevanten Bestandteil einer Maschine. Unternehmen sollten nachvollziehen können, welche Softwarefunktionen das Maschinenverhalten beeinflussen – insbesondere im Zusammenhang mit Änderungen und Risikobeurteilungen.
Bei älteren Maschinen fehlen häufig aktuelle Dokumentationen, eindeutige Funktionsbeschreibungen oder vollständiges Prozesswissen. Ohne ein klares Verständnis des Maschinenverhaltens können Retrofit-Projekte schwer planbar werden und technische sowie regulatorische Risiken erhöhen.
Der vorhandene SPS-Code allein reicht aus unserer Erfahrung häufig nicht aus. Er zeigt zwar die programmierte Umsetzung, erklärt aber häufig nicht vollständig, warum ein Prozess so abläuft, welche Sonderfälle bestehen oder wie Sicherheitsfunktionen und Maschinenzustände zusammenwirken.
Die technische Realität beschreibt das tatsächliche und nachvollziehbare Verhalten einer Maschine. Dazu gehören Prozessabläufe, Zustände, Funktionen, Reaktionen, Abhängigkeiten und sicherheitsrelevante Zusammenhänge.
PTF steht für Process, Technology & Function. Bei einer PTF-Analyse wird das reale Maschinenverhalten untersucht und strukturiert dokumentiert. Das Ergebnis ist ein formales Prozessmodell, das als Grundlage für Retrofit, Steuerungsmodernisierung, Diagnose und Dokumentation dienen kann.
Ein formales Prozessmodell schafft Transparenz über das Maschinenverhalten. Es erleichtert die Risikobeurteilung, reduziert die Abhängigkeit von Einzelwissen und verbessert die Planung von Modernisierung, Wartung und Softwareänderungen.
Eine strukturierte Beschreibung des Maschinenverhaltens unterstützt Unternehmen dabei, Funktionen, Risiken und sicherheitsrelevante Abläufe nachvollziehbar zu dokumentieren. Sie ersetzt keine rechtliche Konformitätsbewertung, kann aber eine belastbare technische Grundlage dafür schaffen.
Cybersecurity wird relevant, wenn Manipulationen, unbefugte Zugriffe oder Softwareänderungen die Sicherheit einer Maschine beeinflussen können. Unternehmen sollten daher prüfen, wie Steuerungen, Schnittstellen, Fernwartung und Software-Updates abgesichert und dokumentiert sind.
Ein älteres Steuerungssystem muss nicht allein aufgrund seines Alters ersetzt werden. Entscheidend sind unter anderem Verfügbarkeit, Wartbarkeit, Sicherheitsrisiken, Ersatzteilversorgung und geplante Änderungen. Bei einer Modernisierung sollte jedoch nicht nur die Hardware, sondern auch das Maschinenverhalten analysiert werden.
Unternehmen sollten zunächst ihre Maschinen dokumentieren, geplante Änderungen identifizieren und vorhandene Informationen zu Prozessen, Software und Sicherheitsfunktionen prüfen. Besonders wichtig ist es, Wissenslücken frühzeitig zu erkennen und das reale Maschinenverhalten nachvollziehbar zu modellieren.
Bei einer reinen Steuerungsmigration wird vorhandener Code auf eine neue Steuerungsplattform übertragen. Ein moderner Retrofit betrachtet zusätzlich den Prozess, die Funktionen, Sicherheitsanforderungen, Dokumentation und das tatsächliche Verhalten der Maschine.
Digitale Zwillinge und KI-Anwendungen benötigen eindeutige und strukturierte Informationen über Maschinenzustände und Prozesse. Ohne ein verlässliches Verhaltensmodell können Daten falsch interpretiert werden oder wichtige Zusammenhänge unberücksichtigt bleiben.
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